Rolfs N-Bahn
  Eisenbahnfaere
 

Reise zur Eisenbahnfähre in Fürstenberg/Havel

 
Im August 2013 bekam ich von meinem Bruder eine Email mit ein paar Fotos von einer uns bis dahin unbekannten Eisenbahnfähre. Diese hatte er bei einer Paddeltour auf der Siggelhavel in Fürstenberg entdeckt. 
Die Fähre war auf den Fotos nur im Hintergrund erkennbar, also war ich neugierig geworden.
           


                                                                                          Nördlicher Anleger
 
 
  Südlicher Anleger


Wie sich schnell zeigte, ist nicht sehr viel über die Fähre bekannt.

Das diese Eisenbahnfähre bisher so unbekannt geblieben ist, ist darauf zurückzuführen, dass die Fähre immer militärisch genutzt wurde. Bis 1945 durch eine Munitionsfabrik und nach dem Zweiten Weltkrieg durch die russische Armee.
 
  Nun wollte ich mir die Fähre auch anschauen und so wurde beschlossen in unserem Herbsturlaub ein paar Tage Station in der Uckermark zu machen. Schon die Fahrt zu unserem Campingplatz in Altglobsow war ein Erlebnis. Die Uckermark ist eine einzigartige hügelige Landschaft, mit herrlichen Alleen, romantischen Buchenwäldern und viele kleinen und größeren Seen. Eine Landschaft, die einfach eine Reise wert ist.

Unser Herbsturlaub wollten wir dieses Jahr ganz den Kranichen widmen und so haben wir auch hier in der Uckermark schon die ersten Kraniche auf den abgeernteten Feldern beobachten können. Schon dadurch hat sich die Reise gelohnt. Allerdings sind uns keine Fotos gelungen, da wir die Vögel nicht aufschrecken wollten und sich keine geeignete Stelle zur Beobachtung finden wollte. Es ist für die Vögel wichtig, Kräfte für ihre lange Reise zu sammeln und sie sollten auf keinen Fall gestört werden.
 

     
  Wir hatten aber später auf der Insel Rügen Glück, aus einem sicheren Versteck die Vögel zu beobachten. Und so möchte ich eines meiner Fotos, welche mit sehr langer Brennweite  entstanden, hier zeigen.
 
 

  Leider wurde das Wetter nicht besser und so konnte ich die Eisenbahnfähre nur bei verregnetem Wetter besuchen. Zu meinem Bedauern liegt die Fähre seit dem Herbst 2011 auf dem trocknen und ob sie je wieder zu Wasser gelassen wird, ist noch nicht geklärt. Wie in einem Artikel in der Märkischen Zeitung zu entnehmen ist, ist nicht geplant die Fähre wieder schwimmfähig herzurichten. Auch eine Begehbarkeit der Fähre ist nicht geplant.

Es ist zu hoffen das mit dem anbringen der Korrosionsschutzschicht, die Restaurierung der Fähre nicht beendet sein soll.

So wie die Fähre zurzeit aufgebockt liegt, ist eine Besichtigung des technischen Denkmals nur sehr schwierig möglich. Es wär wünschenswert wen hier ein Podest oder Ähnliches geschaffen würde, um eine bessere Besichtigung des technischen Denkmals zu ermöglichen.

Ich möchte aber trotzdem zeigen, dass sich für mich der Besuch der Fähre gelohnt hat. Ich habe einige Fotos gemacht, die ich hier zeigen möchte.

 
 
Bei der Eisenbahnfähre soll es sich um die einzige frei fahrbare Eisenbahn-Flussfähre Deutschlands handeln. Die Fähre wurde in Pontongform gebaut und wird von einem 30 Ps starken Motor angetrieben.
 

 

Sie besitzt an beiden Enden ein Ruder und eine Schiffsschraube.

Technische Daten
Länge 34,18 m
Breite 5,18 m    5,12 m
Tiefgang 0,70 m bis 1,30 m
Gewicht 170 t  (andere Angabe gefunden, 107 t)
Motorleistung 30 Ps Zweizylinder-Dieselmotor, mit zwei schrauben.
Baujahr / Indienststellung 1934 / 1936
Hersteller Schichau-Werft im
ostpreußischen Elbing
   
Fahrzeit über die Siggelhavel etwa 5 min
Bei der Fähre hat man auf ein Ruderhaus verzichtet und die Steuerung auf Deck aufgebaut. Neben dem Steuerrad befindet sich die Motorsteuerung und einem weiterem Steuerrad, welches wahrscheinlich dazu dient, die vordere oder hintere Schraube sowie das Ruder einzukuppeln.


 
 
 
  Bemerkens wert finde ich die schwenkbaren Prellböcke, an beiden Enden der Fähre.
     
Das Foto zeigt die Fähre im Zustand vom 28.06.2011.
Wie zu erkennen war es höchste Zeit das etwas gemacht wurde. Es währ allerdings sehr schön die Fähre einmal wieder schwimmen, zu sehen.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von "muellersss" zur Verfügung gestellt. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.
 
 
 
Der Anleger ist denkbar einfach gebaut. Er besteht aus zwei Türmen in denen über Rollen das Seil zum anheben der Fährbrücke geführt wird
Gut erkennbar ist die Vorrichtung mit der die Fähre mit dem Anleger verbunden wird.
Die Anlegerbrücke wird von zwei Seilwinden angehoben und auf die Fähre abgesenkt. Dabei zentrier sich die Fähre durch den Keil in der Mitte des Kopfstücks der Fähre. Mit einem Stahlring am Anleger wird die Fähre dann festgemacht.Auf dem Foto ist erkennbar das der Anleger einmal in einem leuchtenden Blau gestrichen war.
 
 
 
 
Im März 2015 habe ich von "Conys-modellbau", Fotos aus dem Jahr 2009 bekommen. Er hatte zu der Zeit noch die Gelegenheit, die Eisenbahnfähre im Wasser zu erleben. Diese Fotos möchte ich hier, mit seiner Erlaubnis zeigen.
Cony hat die Fotos aus Sicht des Modellbauers gemacht und so zeigen sie viele Details, die heute so nicht mehr zu sehen sind. Ein Schiff gehört halt auf das Wasser, schade wahrscheinlich wird es dazu nicht mehr kommen.

Betrachtet man die Fotos, wird erkennbar das es sicher nicht einfach war die Fähre zu befahren. Der Übergang des Fähranlegers zum Land und zur Fähre zeigt beträchtlich Abweichungen in der Waagerechten. Und ein so leichtes Wasserfahrzeug, hat sicher beim befahren tüchtig geschwankt. Ich könnte mir vorstellen, das es dort die eine oder andere Entgleisung gab. Da heute keine Zeitzeugen mehr zu finden sind, hilft nur die Fantasie.


Fotos "Conys-modellbau"    www.conys-modellbau.de/ Vielen Dank das Du mir die Fotos zur verfügung gestellt hast.

       

 

 
 
   
 

Auf dem Gelände findet man neben der Fähre, auch den Lokschuppen der Anschlussbahn, in dem noch eine V10B abgestellt ist.
Durch einen kleines Fenster im Tor, ist mir ein Foto von der Werklok gelungen, welches überraschender Weise besser geworden ist, wie zu erwarten war.

 

Hersteller: Lokomotivbau Karl Marx, Babelsberg (LKM)
Fabriknummer: 252049
Baujahr: 1959
Einsatz: VEB Vereinigte Holzindustrie Schorfheide, BT Imprägnierwerk Hubertusmühle /
19xx VEB Vereinigte Holzindustrie Neuruppin, BT Fürstenberg/Havel

Quelle:
Museal erhaltene LKM-Lokomotiven
 
Geschichte:

Seit 1911 befand sich auf dem Gelände die Faserstoff Gesellschaft mbH. In der Firma wurden Glühstrümpfe für Gas- und Petroleumlampen hergestellt.

Ab 1928 wurden auf dem Gelände Werkzeugmaschinen für die Gewehrproduktion gelagert.

Durch die Inflation musste der Betrieb 1929 eingestellt werden und wurde von dem Besitzen Wolfgang G. Schleber für 900.000 RM an das Waffenamt verkauft.

Ab 1934 wurden mit einem neuen hydraulischem Presswerk Geschosshülsen der Größe 7,5 8,8 und 10,5 cm produziert.

Da der Bau einer Brücke wegen der auf der Hafel verkehrenden Lastkähne mit ihren hohen Masten nicht möglich war, wurde 1936 die Eisenbahnfähre in Betrieb genommen. Somit konnte ein Eisenbahnbetrieb an die in diesem Jahr in Betrieb genommene Strecke Fürstenberg – Lychen auf genommen werden.

Ab 1941 wurden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene des KZ Ravensbrück bei der Produktion eingesetzt.

Ab 1945 übernahm die Russische Armee das Gelände und richtete eine Panzer und LKW Reparaturwerkstatt ein, welche bis 1993 an diesem Standort betrieben wurde.

Der Betrieb der Anschlussbahn und die Bedienung der russischen Werkstatt wurde bis 1993 von dem Sägewerk betrieben, welches sich auf dem Gelände befand.
           
1947 Sprengung des großen Lokschuppens.

1957  wurde die Eisenbahnfähre mit einer neuen Reg.Nr. seitens der DSRK der DDR klassifiziert und bekam die Nr.: 15 B 22-19 - der neue Eigner war nunmehr der VEB Holzindustie (K) Neuruppin.

1960 wurde die Fähre neu motorisiert und bekam einen 34 PS Motor / Typ 2 KVD 14,5 - dabei wurde die Tonnageziffer auf 103 Tonnen herabgesetzt.

Seit 2007 wollen Schüler und Lehrer der Gesamtschule Fürstenberg aus der alten Eisenbahnfähre, ein technisches Denkmal machen.

Seit kümmert sich eine Interessengemeinschaft mit Bürgern aus Fürstenberg um die Erhaltung der Eisenbahnfähre.

12.10.2011 Beschäftigte der Firma Koplin und der Bootswerft Malz heben die Fähre zur Vorbereitung der Konservierungsarbeiten aus der Siggelhavel.

 
  Wie ein Gleisplan auf einer Ausstellungstafel in Fürstenberg zeigt, waren die Gleisanlagen sehr Einfach.

An dem Nordanleger ging das Gleis in einem weiten Bogen zur Strecke Fürstenberg – Templin. An dem Bogen befand sich die Laderampe des KZ Ravensbrück.
             
Auf dem Gelände des Südanlegers ab es ein Gleis in die Faserstoff / Panzerwerkstatt. In dem Lokschuppen welcher heute noch steht, ist eine Werklok zu sehen. Hinter dem Lokschuppen ging das Gleis weiter zu einer Holzverladung / Sägewerk und einem zweiständigen Lokschuppen der 1947 gesprengt wurde.

1 - Anleger, 2 Gelände der Panzerwerkstatt, 3 - kleiner Lokschuppen
4 - Schnittholzverladung, 5 - großer Lokschuppen dieser wurde 1947 gesprengt.
Heute endet das Gleis an dem kleinen Lokschuppen.
 

     

Größere Kartenansicht
  Für die bessere Orientierung habe ich noch eine Karte eingefügt.

Hier sind der nördliche und der südliche Anleger zu erkennen. Auch die Fähre liegt hier noch im Wasser.
     
Link der  Draisinenbahn    Die stillgelegte 28 km lange Strecke Fürstenberg/Havel – Templin kann seit 1996 mit einer Draisinenbahn erkundet werden. Diese werde ich mit Sicherheit bei einem nächsten Besuch in der Uckermark ausprobieren.
 
Ich würde mich sehr über weitere Informationen und ältere Fotos freuen.
 
In einigen Jahren gehe ich in Rente und dann werde ich ein betriebsfähiges Modell der Fähre als ein Modul bauen. Das wird mit Sicherheit eine schöne Bastelei.
 
Quellenangaben:
Wikipedia   -   Eisenbahnfähre Fürstenberg/Havel
Ausstellungstafeln auf dem Gelände der Eisenbahnfähre in Fürstenberg/Havel.
Museal erhaltene LKM-Lokomotiven   Daten zu der Lok V10B im Lokschuppen
WWW.Binnenschifferforum.de   Daten zur Geschichte. Autoren: Isarwolf und UGI
 
Linksammlung:  
Märkische Zeitung Aus der Arbeit des Arbeitskreises Eisenbahnfähre
Märkische Zeitung Fürstenberger wollen technisches Denkmal retten
Märkische Zeitung Eine Schutzschicht für die Fähre
Die Mark Online Erhebendes Gefühl
Aktiv für Kinder Eine Fähre verbindet Unterrichtsfächer
WWW.Binnenschifferforum.de Es werden einige schöne Fotos gezeigt. Im weiteren sind einige interessante Links zu finden.


 
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